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Faroe Islands Mountain Biking

Das hier ist der Startschuss zu unseren neuen Blog-Reihe, die in die Ferne schweift. Packt also Fahrrad, Laufschuhe und Zelt ein und schon kann es losgehen.

Als erstes geht es mit der dänischen Marke GripGrab auf die Färöer Inseln: Steilküsten, einsame Dörfer, sattgrüne Landschaft.

Neue Trails entdecken

Das Team ist nach der heutigen Entdeckungstour immer noch am Abkühlen.

Anna Maria bereitet derweil das Abendessen zu, das wirklich sehnsüchtig erwartet wird. Helgi, das ist Anna Marias Sohn. Er steckt noch immer in seinen Bibs und schaut fasziniert auf eine große Landkarte. Entweder plant er schon die nächste Tour, oder vollzieht noch einmal nach, welche Strecke er heute zurückgelegt hat. Dabei schweben seine Finger leicht zitternd über der Karte, fast so, als lägen sie noch auf den Bremshebeln, jederzeit bereit zum Bremsen.

Die Karte sieht einfach nur grün aus. Wirklich bezeichnend für die Landschaft hier auf den Färöer Inseln. Saftig grüne Hügel und Berge, die auf einmal in vertikal abfallenden Steilküsten enden und zu deren Füßen die Wellen des Nordatlantiks tosen.

Absolut skandinavisch sieht es hier aus. Es gibt zwar keine Berganfahrten wie in den Alpen, aber wer das Klettern liebt, der kommt hier garantiert dennoch auf seine Kosten. Auch die kühnsten Abenteurer werden von dieser Landschaft überrascht sein.

Helgis Finger stoppt auf einmal auf der Karte. „Die Ecke hier, die ist echt schön. Wenn wir dahin kommen, bei blauem Himmel und Sonne, dann können wir kilometerweit gucken.“ Er meint einen Erhebung in Nähe der Küste und schnappt sich sein Smartphone. „Ich zeige euch Fotos, das müsst ihr sehen!“

Das Land von schlafender Schönheit

Die Färöer Inseln liegen in der Mitte zwischen Schottland und Island im Nordatlantik. Insgesamt sind es 18 Inseln mit ungefähr 1.400 km² unberührter, rauer Natur.

Die Inseln sind fast alle mit Brücken und Tunneln verbunden. Einige können jedoch nur per Boot oder Hubschrauber erreicht werden.

Harsche Felsen, grüne Hügel, Wasserfälle, Nebel und ziemlich viele Schafe - daher auch der Name. Färöer, die Schafsinseln.

Auf allen Inseln leben insgesamt unter 50.000 Menschen, die meisten von Ihnen in den größeren Städten. „Größere“ ist hier jedoch relativ, denn die größte Fläche wird nun mal von den Schafen eingenommen.

Bei Helgi konnten wir unterkommen. Er stammt von hier, lebt aber jetzt in Dänemark und ist Mountainbiker mit Herzblut. Klar liebt er es da, die Inseln und ihre regelrecht noch im Winterschlaf befindliche Schönheit auf zwei Rädern zu erkunden.

„Die Landschaft ist wirklich atemberaubend und wirklich nur wenige Leute nutzen sie überhaupt in der Freizeit. Dieses raue, skandinavische Gefühl hier, das ist auf dem Mountainbike wirklich ein einzigartiges Erlebnis,“ sagt Helgi mit einem wirklich ansteckend begeisternden Lächeln.

Färöer MTB-Club

Helgi ist auf den Inseln geboren und aufgewachsen. Jetzt lebt er nördlich vom geschäftigen Kopenhagen, in einem kleinen Dorf am Waldrand.

Von dort aus ist er binnen 5 Minuten auf den Trails im Wald. Er versucht seinen Ehrgeiz, den er bei Rennen austobt, nicht die Überhand gewinnen zu lassen, denn er will auch weiterhin einfach nur puren Spaß auf dem Rad, ohne zu viel Druck, haben.

Er ist Teil der dänischen Cross-Country Szene, nimmt aber auch an internationalen Rennen in Andalusien oder in der Schweiz teil (The Andalucía & das Swiss Epic). Er hat Mountainbiking im Blut und ist stets auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer.

Wann immer er Zeit hat, macht sich Helgi aber auf in seine Heimat. Er besucht seine Familie und lässt sich aber auch nicht lumpen, um die Gelegenheit für ein paar MTB-Touren zu nutzen.

Zusammen mit seinen Freunden hat er den Faroe Islands Mountain Bike Club ins Leben gerufen.

Erstes Ziel waren Trails im Gebiet um Torshavn. Als nächstes wollen sie jetzt noch mehr Mitglieder gewinnen und die Szene größer werden lassen.

2 Mountainbiker, 1 Fotograf

Es ist schon spät am Nachmittgag als wir den Bus in der Nähe des Leitisvatn parken.

Helgi und Lisette machen ihre Räder fertig und Martin macht Fotos. Und bald ist er auf und davon, auf dem Weg zum Ufer des Sees, um ein paar Bilder von den vom rauen Klima verwitteren Bootshäusern aus Stein zu machen.

Martin Paldan ist ein Action-Sports Fotograf, der schon einige Preise abgesahnt hat. Er kommt aus Kopenhagen und hat sich komplett der dänischen MTB-Community verschrieben.

Er sagt, er liebe was er tue, und dass er ja eigentlich noch recht am Anfang stehe. Sehr zurückhaltend und bescheiden ist er.

Er ist leitender Fotograf bei der dänischen Marke GripGrab, die in erster Linie Radfahr-Zubehör entwickelt und herstellt. Helgi zu begleiten war für Martin keine Frage, natürlich war er da mit dabei!

„Ich wusste überhaupt nicht was mich da erwarten wird, umso mehr bin ich von der Szenerie hier überwältigt! Ich habe schon so viele Fotos überall auf der Welt gemacht, aber das hier ist wirklich was ganz anderes. Die Aussicht, das Licht - alles einfach einmalig. Dass man das Meer hier so ziemlich von überall aus sehen kann, ist abgefahren und verleiht dem Licht einfach das gewisse Extra. Ich denke, die Bilder werden da ganz für sich selbst sprechen.“

Ready to Ride

Helgi und Lisette wären dann soweit.

Die Luft ist frisch und die Farben der Landschaft von Gelb- und Grüntönen bestimmt. Etwas melancholisch ist die Stimmung, die Dämmerung setzt ein. Man fühlt sich wirklich vom gesamten Rest der Welt abgeschnitten. Dabei sind wir nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt. Es ist einfach keine andere Menschenseele in Sicht.

Das einzige Lebenszeichen sind die alten, mit Moos bewachsenen Bootshäuser, die sich hier jeden Tag aufs Neue den Elementen stellen müssen. Es fällt einem nicht schwer sich vorzustellen, wie hier einst noch Schwerter klirrten und man an Seher und Übernatürliches glaubte.

Unser Ziel ist am Horizont zu sehen. Der Punkt, an dem der See sich in Form eines mächtigen Wasserfalls in den Ozean ergießt.

Einen wirklichen Trail oder Pfad gibt es nicht, aber Helgi und Lisette kennen den Weg und navigieren durch kleine Bachläufe, über großflächige Felsformationen, Sand und das flache Wasser am Seeufer. Langsam geht es hinauf auf höhergelegenes Terrain.

Die beiden meisten alle Hindernisse, die die Natur ihnen stellt, und kommen dem Horizont immer näher.

Trails, die es nicht gibt

Helgi arbeitet mit dem Tourismusverband der Färöer Inseln zusammen und hat ihnen mit viel Engagement schon vermittelt, welche touristischen Vorteile gekennzeichnete MTB-Trails für die Inseln hätten.

Für Helgi gibt es da zwei Arten von Trails. Zum einen die derzeit noch nicht existierenden Cross-Country Trails für Training und Rennen. Hier will der MTB-Club verschiedene Abschnitte gestalten, die dann auch zu ihrem Home Turf werden werden sollen.

Zum anderen soll es dann noch „Adventure Trails" geben. Sie sollen die Fahrer stärker mit den Elementen verbinden und vor allem auch die Landschaft in den allerschönsten Bildern erstrahlen lassen.

100 Meter senkrecht bergab

Die Sonne geht unter. Helgi und Lisette konnten einen Trail entlang des Seeufers ausmachen, er führt direkt zum Meer.

Er ist nicht leicht zu fahren, der Untergrund ist aufgeweicht und die Steigung zwingt sie in die leichten Gänge.

Helgi denkt, dass hier vorher nie jemand auf einem Fahrrad war. Vielleicht Wanderer, aber garantiert keine zwei Räder.

Lisette kommt bis an die Rand. Hier hört die Landschaft einfach auf und es geht senkrecht bergab hinab ins Meer. Hundert Meter weiter unten tosen die Wellen des Nordatlantiks gegen die Klippen und einzelne Felsen ragen gefährlich aus dem Wasser und recken sich in Richtung Himmel.

Nach einem kurzen Moment des Verweilens geht es entlang der kleinen Anhöhen direkt am Rande der Klippen. Das letzte Licht des Tages vergeht und mit einem großen Lächeln geht es nun langsam zurück zum Auto. Das ist es, was die Färöer so besonders macht, diese Momente.

Die Vision

Zurück bei Helgis Eltern dreht sich alles ums Mountainbiken.

Wer gewinnt die großen Rennen, wo gibt es die besten MTB-Fotos online und welche Magazine machen die besten Tests. Es gibt selbstgebackenen Kuchen und frischen Kaffee.

Als wir von der Küste zurück zum See kamen, war es schon dunkel und auch unsere Stirnlampen haben da nicht viel Erleuchtung gebracht. Dieses Gefühl so einen atemberaubenden Tag in so einer atemberaubenden Natur verbracht zu haben, das ist es, was Helgi antreibt. Er will, dass viele Fahrer dieses Gefühl kennenlernen können und möchte mehr Mountainbiker auf die Insel holen.

Was sind also die nächsten Schritte? Helgi will sich von anderen, ähnlichen Projekten Inspiration holen und deren Ideen analysieren. Bike Parks und groß angelegte Trail-Netzwerke, Wartungspläne und Markierungen, das will alles gut überlegt sein.

Er will zunächst mit einer Karte anfangen, die man sich einfach runterladen kann. Da sollen 5 aufregende Trails verzeichnet sein, zusammen mit 5 landschaftlich ansprechenden Locations. Nimmt man das als Basis, dann könnten sich noch viele weitere Routen entwickeln, Info-Tafeln geplant und aufgestellt und vielleicht weitere teilnehmende Partner vor Ort gewonnen werden.

„Der erste Schritt ist getan. Jetzt müssen wir gucken, wie es weitergeht. Aber eins ist klar, das Ganze, so wie die Trails selbst, ist ein Abenteuer. Und ich hoffe, dass ist es bald nicht mehr nur für mich, sondern für viele Fahrer, die Bock auf unsere Inseln haben.“

GripGrab und die Färöer

Das Wetter ist sehr launisch. Helgi verlässt sich da für Schutz und Wärme auf seine Landsmänner von GripGrab.

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Ja Na
Published on: 08 Mär 2017