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Harry Watler arbeitete früher als Mechaniker bei Wiggle und hat sich nun auf die Suche nach neuen Abenteuern begeben. Im vierten Teil der Blog Serie kommt unser unerschrockener Erforscher schließlich in der Schweiz an und genießt eine wohlverdiente Pause. Harry gönnt sich eine Auszeit in einem luxuriösen großen Stoffzelt und zieht Bilanz aus seinen unglaublichen Abenteuern.

Das Leben eines Reisenden ist voller Überraschungen

Die Verschnaufpause in der Schweiz kam wie gerufen und ich blieb letztlich eine ganze Woche. Ich tauchte kurz in das Privatleben eines ganz normalen Urlaubers ab. Eine großartige Art, seinen Sommer zu verbringen. Außerdem besuchte ich einige der Touristenattraktionen und genoss das wechselhafte Wetter während ich mich in der 5 Sterne Unterkunft eines Stoffzelts ausruhen konnte. Es bot sich mir die Gelegenheit, meine Ausrüstung zu reinigen und kleinere Reparaturen durchzuführen.

Harry baut sein Zelt auf

Das Fahrrad war nach der ersten Etappe ziemlich mitgenommen und dachte über neue Ersatzteile nach. Ein dauerhaftes Problem war das mittlere Race Face Kettenblatt, das einen unterschiedlichen Abstand zu den Deore Blättern, mit denen es fährt, hat, daher hat sich die Kette beim Schalten vom dritten ins zweite oft verfangen und rastete nicht ein. Auch war ein Überdenken der Einstellung meines Fahrradlenker-Sets nötig, da eine Improvisation der Beleuchtung an der Außenseite des Griffs nicht möglich war und auch ein Halten der Griffe mit Handschuhen bei angebrachter Beleuchtung nicht funktionierte. So grübelte ich über verschiedene Möglichkeiten nach.

Harrys Kona

Die Seen in der Schweiz schimmern in einem leuchtenden Blau mit klarem Wasser und angenehmen Temperaturen. Aber aufgepasst, taucht man aus dem Stehen ins Wasser ein, sinkt die Temperatur 1,5 Meter unterhalb auf mindestens 7 Grad. Als leidenschaftlicher Unterwasserschwimmer war das natürlich ein Paradies auf Erden und die Entscheidung, eine wasserdichte Kamera zu kaufen, wurde in die Tat umgesetzt.

Die schönen Seen in der Schweiz

Wieder zurück auf der Straße genieße ich immer noch mein Leben mit einer 2006er Straßenkarte im Maßstab von 1:1, auf der nur wenige Städte und keine Höhenlinien eingezeichnet sind. Ich weiß jedoch, dass, von der Strecke mal abgesehen, auf dem Weg aus der Schweiz raus noch einige Anstiege vor mir liegen. Irgendwann entschloss ich mich, einen Freund in Berlin zu besuchen und entschuldige mich schon einmal für das Versprechen, noch weiter in den Süden zu fahren.  knew there would be some climbs to break out of Switzerland regardless of route. Mein Plan war, über Luzern die Grenze anzusteuern, den Rhein zu überqueren und durch Deutschland in den Nordosten zu radeln. Ehrlich gesagt haben mich nach der Fahrradpause die Kräfte ein wenig verlassen und das Verlassen der idyllischen Landschaft weckte in mir den Wunsch nach einem Abstand zwischen mir selbst und einer möglichen Rückkehr zu mehr Komfort.

Was für ein Selfie

Natürlich zog ich voll durch und war am Ende des zweiten Tages, der mich nach Neufchatel, einer befestigen Stadt westlich des Rheins auf französischer Seite führte, völlig am Ende. Hier machte ich spontan auf einem Campingplatz Rast und traf ein ziemlich cooles Paar aus der Schweiz, die gerade für  den MotoGP Sport trainierten. Es war eine willkommene Pause, um zu entspannen und etwas Nahrung zu mir zu nehmen. Nach einem Morgen mit Donnerschlägen half ich einigen Radfahrkollegen mit einem verformten Laufrad, wodurch sie 4 umgeknickte Speichen reparieren konnten. Ich freute mich, dass ich mit dem sich bei Wiggle angesammelten Wissens helfen konnte.

Jemand hilft bei der ReparaturAn diesem Tag überquerte ich den Fluss in Richtung Deutschland. Ich finde es immer noch lustig, wie sich Sprache und Kultur durch nur eine Linie im Matsch ändern können. Ich fuhr weiter und weiter und der Regen hielt an. Ich radelte durch Städte und Felder und um 19:30 begann ich, nach versteckten Campingplätzen im Feld zu suchen. Halb verdurstet überwand ich mich, einige Leute, die vor einem Haus standen, in gebrochenem Deutsch zu fragen. Ein Kind konnte mich wohl ein wenig verstehen und ein älterer Mann nahm einfach meine Flasche, lachte, während er sie zerquetschte und in den Mülleimer warf. In Gedanken und wahrscheinlich auch meinem Ausdruck nach sagte ich ‚Danke‘. Einige Minuten später tauchte eine Frau auf und gab mir eine neue Flasche. Ich war sehr dankbar und fuhr weiter. Nach ein paar Erkundungsrunden durch die unteren Reihen des Getreidefeldes machte ich mir langsam Sorgen: nichts was ideal wäre. Zur Not kann ich mich aber immer noch mit Weniger begnügen, es gab dort eine Öffnung in einem Feld. Angemessenerweise wartete ich auf eine Lücke im Verkehr und steuerte auf den Platz zu. Ich schaltete meine Leuchten aus, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Na ja, nicht allzu schlecht. Ein Stück mit wenig bebautem Land zwischen zwei riesigen Obstbäumen. Ich schlug mein Zelt auf, als der Regen einsetzte.

Rain soaked tent

Der Boden war weich und befand sich in einer kleinen Mulde, schnell wurde mir eine wertvolle Lektion erteilt. Um 2 Uhr morgens matschiger Sumpf unter mir, im wahrsten Sinne des Wortes ein Wasserbett, zwei untere Heringe sind durchgebrochen, ich lachte und der Regen peitschte mir von der Hülle des Zeltes ins Gesicht. Das war meine persönliche Bestleistung, sogar noch besser als damals, als ich zusammen mit Fraser, einem anderen prima Wiggle Mitarbeiter am Original Mountain Marathon (OMM) in Wales teilnahm. Dort campten wir bei Stürmen in einem steinalten Zelt, das schon 30 Jahre auf dem Buckel hatte. Aber immerhin, hielt es den Stürmen Stand. Als der Morgen kam, machte ich mich zu früh wie möglich, um 6 Uhr morgens auf den Weg. Es blieb nur ein Rest von Comedy zurück.

Müde Beine und wenig Lust, eine deutsche Karte zu kaufen, beendeten meine Radtour. Ein kurzes Stück angrenzender Autobahn hielt mich von meinem Kurs ab. Ungefähr zur gleichen Zeit fuhr ich an einer Autovermietung vorbei. Ich lachte bei dem Gedanken an solch einen Verrat an die ganze Sache. Als meinen toten Punkt erreicht hatte, bekam ich die Idee, dass ich vielleicht nach dem Preis fragen könnte, ich fühlte mich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Die helle Beleuchtung und die bezaubernde junge Frau ließen mir wenig Wahl. Ich entschuldige mich hierfür, aber na ja, manchmal muss man eben die richtigen Zeichen erkennen.

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Ja Na
Published on: 08 Mai 2015