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Harry Watler arbeitete früher als Mechaniker bei Wiggle und hat sich nun auf die Suche nach neuen Abenteuern begeben. In Teil 5 dieser Blog Serie erreicht Harry Berlin, um sich dort mit einem Freund zu treffen und das kulturelle Erbe der Hauptstadt Deutschlands hautnah zu erleben.

 

Geblitzt werden in Berlin

 

Speed camera image of Harry

Die Fahrt nach Berlin sollte eigentlich eine lockere, 700 km lange Fahrt werden und nicht mehr als 6 Stunden dauern, allerdings musste ich nach ein paar falschen Abfahrten, einigen Kaffeepausen und einem Spaziergang vom Auto entfernt auf einem Rastplatz mit Hilfe eines Kompasses feststellen, dass ich tatsächlich in Richtung Frankreich unterwegs war. Ich kam also sehr spät an, ohne in den 12 Stunden Fahrt Zwischenhalt in einer Unterkunft zu machen und mit einer Fahrt von knapp 1000 Kilometern. Inzwischen habe ich erfahren, dass ich einen Strafe wegen zu schnellen Fahrens bekommen habe, enttäuschenderweise wegen Überschreitens des 30 km Limits Innerorts, nach dem ich gerade auf der Autobahn war, auf der es kein Tempolimit gibt. Ein sehr netter Hotelpage half mir dann in Berlin. Ich begann mit den Worten: “Ich stecke ein wenig in der Zwickmühle”, natürlich nachdem ich sichergestellt hatte, dass ich mich mit ihm auf Englisch unterhalten konnte. Nach dem Lösen aller Probleme unterhielten wir uns über seine Radtourerlebnisse – eine demütigende Erfahrung.

Die Erholungspause in Berlin war großartig. Mein Freund und ich machten uns nach kurzer Zeit auf in die Provinz, um dort draußen an einem alten Gebäude zu arbeiten und so ein paar zusätzliche Euros zu verdienen. Erschreckt euch bitte nicht, wenn ihr das Video unten anseht, das Wasser war gut und ein Beispiel für privatisiertes Schwimmen in offenen Gewässern. Um die Ecke befand sich ein abgezäunter Pool. Ich schwamm ein paar Erkundungsrunden am Rand entlang, so als ob ich etwas Besonderes entdecken würde.

Old windmill in German countryside

Da auch in Deutschland hinsichtlich des Campens ähnliche Gesetze wie in Frankreich und der Schweiz gelten, vermied ich auch weiterhin, gesehen zu werden und genoß einfach nur, wie einfach es, besonders bei schönem Wetter, war. Es gab zwei Gelegenheiten, bei denen ich in diesen Wäldern mit Bäumen, die lange Baumstämme und hohes Laub hatten, campte. An einem Abend, als die Wälder dunkel wurden, stand ich einfach nur da und dachte ungefähr eine Stunde lang über alles nach. Neutrale Gedanken zweifelhafter Ereignisse gingen mir, wie von einer Muse eingeflößt, der die Natur gleichgültig ist, durch den Kopf. Ich genoß dieses Abenteuer wirklich.

Harry's bike in forest

Nach einigen Tagen war Dresden nun nicht mehr fern. Ich traf einen anderen Radfahrer, der sich ebenfalls auf einer Tour befand, allerdings nach Schweden, in der Nähe eines Stausees. Ich liebte es, die Reiseberichte anderer zu hören. Ich beklagte mich darüber, dass es ehrlich gesagt eine sich ständig erneuernde Gemeinschaft ist, die ihre eigene Realität hat. Nach der Einsamkeit tut es richtig gut, von den Abenteuern anderer zu erfahren. Unter einer Brücke an dem Stausee nahm ich mein Mittagessen ein und dachte über die Zeitplanung meines Tages nach. Ich befand mich 2-3 Stunden von Dresden entfernt, ich würde dort nirgendwo campen können. Was tun, improvisieren und weiterfahren oder mich vor der Stadtgrenze aufhalten? Wirklich lustig, die meisten Menschen würden das genaue Gegenteil planen. Ich habe mit einem Schub von Ungeduld zu kämpfen, außerdem war eine mögliche Unterkunft in Prag verlockend. Das Totschlagen von Zeit war jedenfalls keine Option.

Harry selfie under a bridge

Ich fuhr also um 19 Uhr in Dresden ein, die gothische Architektur war anziehend genug, um mir einen kurzen Spaziergang zu gönnen. An der Elbe wurde gerade ein Fest gefeiert, was für zusätzliche  Ablenkung sorgte, somit rückte die Sorge, was ich, wenn es dunkel wurde, tun sollte, erstmal in den Hintergrund. Ich hätte es schon noch rechtzeitig herausgefunden, aber dann wurde ich von einem fröhlichen Ehepaar, das sich, wie sich herausstellte, auf verrrückte Art und Weise gegenseitig ergänzte, zu einem Bier eingeladen. Der Mann war in der Fremdenlegion und reiste seitdem viel. Er war faszinierend, obwohl er bei jedem auf der Terrasse für ein unangenehmes Gefühl sorgte, aber er hatte eine einzigartige Geschichte. Leider verließ ich die beiden wieder und schlenderte über das Fest, flussaufwärts in Richtung Osten.

Dresden at night

Eine Sache, die das Campen in freier Natur etwas schwierig macht, ist die Suche nach einem Punkt im Dunklen, wenn die Bevölkerung ganz in der Nähe ist. Zwei Stunden Fahrt durch die Nacht und schließlich landete ich in einem Waldgebiet. Ich verließ den Fahrradweg und nahm den Fußweg ins Schwarze. Trotz unerschrockener Suche wurde ich nicht fündig. An einer Stelle kam ich vom Weg ab und landete im Wald und lief dort mit meinem Fahrrad rum. Nach der Entscheidung, dass dies nicht sehr sinnvoll ist, kehrte ich auf den Pfad zurück, aber ich konnte ihn nicht finden. Nachdem ich einige Male im Kreis lief, hatte ich sie vor Augen, die Szene aus einem Thriller, bei dem alles gleich aussieht. Nicht sehr cool. Der Mond rettete mich letztlich. Ich fand seine Position heraus, bevor ich  aufmachte. Ich schlug mich durch Unterholz in Richtung des Mondes und nach einiger Zeit, Bingo, ein Weg, sehr zufrieden mit mir selbst. Am Ende fand ich noch eine Nische mit Farn und ein paar Quadratmeter, die komplett von mir bedeckt wurden. Bonsoir.

Harry's new campsite

Am nächsten Morgen stand ich früh auf und fuhr bis zum Ende Deutschlands. Die Elbe war so ein friedlicher Ort mit mehr Radfahrern, die sich auf einer Tour befanden, als sonst irgendwo auf meiner Reise. Eine wunderschöne Landschaft mit fantastischen Radwegen (überwiegend). Ich bisher noch kein einziges Mal meinen Reisepass vorzeigen müssen, wenn ich eine Grenze überquert habe und die Tschechei bildete da keine Ausnahme. Ein bunter Pfosten an dem Fluss bildete die Grenze zu einem anderen Land.

 The River Albe

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Ja Na
Published on: 08 Mai 2015