Wir alle haben schon abenteuerliche Radtouren hinter uns. Solche, bei denen wir eigentlich noch länger bis an unsere Grenzen gehen und am liebsten stunden- oder sogar tagelang im Sattel sitzen möchten, aber die Heimat ruft.

Für immer mehr von uns wird das Überschreiten unserer Grenzen zur Realität. Bikepacking, Erlebnisradtouren, Radreisen – wie auch immer Sie es nennen möchten, unsere Neugier ist geweckt!

Das Erkunden abgelegener Orte, nah und fern, auf Singletrails, Schotter- und Feldwegen, während man nur die wichtigste Ausrüstung, am Fahrrad festgeschnallt, dabei hat. 

Wir haben uns mit dem dhb Botschafter und Bikepacking-Experten Josh Ibbett über seine Karriere in dieser fantastischen Sportart unterhalten.

Treffen Sie Josh Ibbett

Meine Radsportkarriere began im Alter von 14 Jahren, als ich mich für ein örtliches Crosscountry-Mountainbike-Rennen anmeldete. Nach einem Fehlstart erreichte ich als Letzter das Ziel. Bei meinem zweiten Rennen (mein erstes mit Klickpedalen) bin ich vom Pedal abgerutscht, fiel an der Startlinie hin und kam, schon wieder, als Letzter ins Ziel.

Langsam machte ich Fortschritte. Ich fuhr nicht mehr länger als Allerletztes über die Ziellinie und schaffte es sogar bis in das British Cycling Talent Team. Als ich dann älter wurde, stellte ich fest, dass ich bei längeren, herausfordernden Rennen erfolgreicher war, so gewann ich unter anderem auch die Junior-Trophäe bei dem Three Peaks Cyclocross-Event in Yorkshire, England.

Mit der Zeit legte ich immer längere Distanzen zurück und nahm zuerst an 12-Stunden-, dann an 24-Stunden-Rennen und schließlich an mehrtägigen Etappenrennen teil, inklusive dem Cape Epic Mountainbike-Etappenrennen. Obwohl es mir sehr viel Spaß machte, lange im Sattel zu sitzen und zu reisen, vermisste ich bei diesen Rennen etwas, bis Mike Hall dann den Rekord für die Weltumrundung per Rad aufstellte und kurze Zeit später das Transcontinental Race Rennen ins Leben rief.

Ich war begeistert. Das war genau das, wonach ich gesucht hatte. Allerdings habe ich mich beim ersten Mal nicht getraut, daran teilzunehmen. Anstatt dessen buchte ich einen Einzelflug nach Slowenien, praktisch 1.600 Kilometer von meiner Haustür entfernt, und fuhr innerhalb von acht Tagen über die Dolomiten und die Alpen wieder nach Hause zurück, nur um sehen, ob ich das schaffe.

Diese Tour gab mir das nötige Selbstvertrauen, um 2014 am dem Transcontinental Race teilzunehmen, bei dem ich auf Anhieb den zweiten Platz einfuhr. Allerdings machte ich jede Menge Fehler, hatte mit Verletzungen und Naivität zu kämpfen, aber ich habe es geschafft! Noch wichtiger, ich erhielt die Möglichkeit, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. 2014 sammelte ich viele wertvolle Erfahrungen und nach einer fünfmonatigen Bikepacking-Tour durch Südostasien und Neuseeland nahm ich 2015 erneut an dem Transcontinental Race Rennen teil und gewann!

Die Tour Divide

2019 ist das Jahr, in dem ich endgültig beschlossen habe, die Tour Divide in Angriff zu nehmen. Sie gilt nicht nur als das ursprüngliche Bikepacking-Event sondern auch als das härteste im Radsportkalender. Bei der Tour Divide handelt es sich um ein 4.418-Kilometer langes, nicht unterstütztes Geländerennen entlang der Rocky Mountains. Es beginnt in Banff, Kanada und endet an der US-Mexikanischen Grenze.

Die Strecke führt über einige der höchsten Bergpässe der USA, über die Great Plains und durch sengende Wüsten. Für mich ist die Tour Divide ein echter Klassiker und das Event, das mich zum ersten Mal an das Konzept des Bikepackings herangeführt hat, nachdem ich einen Artikel von Jenn Hill las, die 2008 an dem Event teilgenommen hatte.

Seitdem ich Jenn Hills Artikel gelesen hatte, nahm ich mir jedes Jahr im Juni vor, an der Tour Divide teilzunehmen, insbesondere in Anbetracht der unglaublichen Meisterleistung von Mike Hall, der das Event zweimal gewann und in den letzten Jahren einen Rekord aufstellte. Ich wusste immer schon, dass ich eines Tages an der Startlinie der Divide stehen würde und es sieht so aus, als wäre 2019 das Jahr, in dem dies tatsächlich geschehen wird.

Wie bereitet man sich auf eine 4418-km-lange Radtour vor?

Das Ziel zu erreichen ist keine leichte Aufgabe, ganz zu schweigen von dem Versuch, schnell zu fahren. In diesem Sinne startete ich mit einer Bikepacking-Tour von Nizza, Frankreich, nach Malaga, Südspanien, in das neue Jahr. Ziel dieser Radtour war es, angesichts meines Antritts bei der Tour Divide, die Grundlage für eine bessere Kondition zu schaffen. So nutzte ich auch die Feiertage über Weihnachten und an Neujahr voll aus, um meine Radtour auf 12 Tage auszudehnen.

Meine geplante Strecke führte an der Mittelmeerküste entlang. Meine Theorie war, dass das Wetter und die Temperaturen besser und das Terrain weniger herausfordernd sein würden, so dass ich nicht gleich schon zu Beginn des Jahres zu sehr auf meine Energiereserven zurückgreifen muss. Die Gesamtstrecke war ungefähr 2.000 Kilometer lang, einschließlich einiger der kleineren Straßen und Wege. Vorbei sind die Zeiten, in denen man mich gedankenlos bei Radtouren entlang von Schnellstraßen  in Osteuropa findet, mit dem Ziel, bei dem Transcontinental Rennen einen Platz auf dem Siegertreppechen zu ergattern. Heutzutage suche ich lieber die verkehrsfreien Straßen und Radwege und natürlich Schotterpisten auf.

Das Fahren entlang der Mittelmeerküste in der Nebensaison kann extrem bereichernd sein und eine tolle Bikepacking-Tour bieten. Obwohl das Wetter nicht gerade heiß ist, ist es immerhin mild und eine deutliche Verbesserung zu dem düsteren, britischen Wetter. Ein täglich blauer Himmel hebt natürlich die Stimmung! Ein weiterer riesiger Vorteil ist, dass alle Einrichtungen, die im Sommer sehr beliebt sind, meistens geöffnet haben und zudem leer und billig sind.

Aus diesem Grund beschloss ich, mit leichtem Gepäck zu reisen und von den vielen Hotels und Jugendherbergen, die auf der Strecke zur Verfügung standen, zu profitieren. Der Aufenthalt in Hotels bedeutete, dass ich mit gewissem Luxus (für eine Bikepacking-Tour) reisen konnte, wozu eine warme Dusche, ein komfortables Bett und Heizung jede Nacht zählten.

Für 2019 unterstützen mich dhb während der gesamten Trainingsphase und für die Tour Divide mit Ausstattung. Meine Tour im Januar war eine gute Möglichkeit, um die Bekleidungsstücke und das Zubehör zu testen, die ich vorraussichtlich dann bei der Divide bei unterschiedlichen Temperaturen und realen Fahrbedingungen tragen werde. Die richtige Vorbereitung ist das A und O für ein langes Bikepacking-Event und es gibt keinen besseren Weg, um herauszufinden, was geeignet ist und was nicht, als sich in den Sattel zu schwingen und diese Ausstattung zu testen.

dhb hat ganz ausgezeichnete Produkte in Vorbereitung und ich habe die Ehre, zu dieser Ausstattung, die speziell für lange Distanzen entworfen wird, einen Beitrag zu leisten.

Ich freue mich, den restlichen Teil meiner Vorbereitung auf die Divide mit euch zu teilen, zudem habe ich in den kommenden Monaten eine Reihe längerer Touren und Rennen geplant. Meine nächste Fahrt ist eine ca. 800 Kilometer lange Geländetour in Südengland, als sozusagen letzte Möglichkeit, um meine Tour-Divide-Ausstattung auf Herz und Nieren zu prüfen.

Bis es soweit ist, könnt ihr mir auf Strava folgen, um Streckendetails zu erhalten und über meine Bikepacking-Abenteuer über Instagram auf dem Laufenden bleiben.

Über den Autor

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Ver ena
Published on: 04 Jun 2019